An der Kleinmarkthalle 7-9
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    Aktuelles

    Wegen der Bockupy-Aktion am Samstag, 19. Mai 2012, sagen wir aus Sicherheitsgründen die Veranstaltung “Das Wirtschaftswunder und die Nitribitt” um 18.00 Uhr vorsichtshalber ab! Alle unsere anderen Veranstaltungen am Wochenende finden aber statt! (...) Weiter lesen
  • Kulturothek Frankfurt » Kinder

    Kinder lassen sich von Geschichte begeistern! Welches Kind taucht nicht gerne ab in die Welt von Rittern und Prinzessinnen.

    Wir versuchen, zwischen Phantasie und Realität zu vermitteln, in dem wir von Frankfurt aus seiner früheren Zeit erzählen, die Kinder aber dabei aktiv einbeziehen.

    Spielerisch lernen sie, dass das Leben im Mittelalter aus vielen Facetten bestand: Auf Kriege folgten Feste, auf harte Arbeit Wohlstand und Bildung, auf Krisen Hunger und Armut.

    Auch das für heute typische Frankfurt kann für Kinder spannend sein, wenn wir uns auf die Spurensuche der Architekturgeschichte zum Hochhaus- oder Brückenbau begeben.

    Fränkis Frankfurt – Stadtgeschichte für Kinderfranki

    Der Frankfurter Wappenadler führt Ihre Kinder durch sein Frankfurt
    in allen Epochen der Stadtgeschichte. Dabei trifft er auf kleine Zeitzeugen,
    die alle seine Freunde werden und ihm ihre Zeit erklären. Bei dieser Führung werden Spuren der vergangenen Zeiten gesucht, die Reste des römischen Soldatenlagers, die Karolingische Pfalzanlage und mittelalterliche Dombauhütte. Unser Fränki ist immer dabei! Von Sabine Mannel erdacht, wird die Entwicklung Frankfurts durch den sympathischen und kindgerechten Wappenadler erzählt! Ein Figürchen zum Verlieben!
    Siehe auch die Buchankündigung am Ende dieser Seite!
    Vorschul- und Grundschulalter

    Ritter, Kaiser, Kaufleute
    Ein Geschichtsspiel für Kinder. In zwei Gruppen aufgeteilt, suchen die Kinder Details zur Frankfurter Geschichte und spüren deren Bedeutung auf! Ein Spiel mit viel Bewegung.
    Vorschul- und Grundschulalter

    Kinderspiele im alten Frankfurt
    Jahrtausendalte Spiele haben wir ihn unserem Spielekarren und spielen diese an authentischen Plätzen! Im Archäologischen Garten die Spiele der Römer, vor dem Dom die der Franken. Vor dem Leinwandhaus gestalten wirdas Ringelstechen wie einst und in den verbliebenen Gassen treffen wir auf die Spielstätten der Kinder des Frankfurter Handwerks des 18.und 19. Jahrhunderts.
    Ab Grundschulalter (macht auch Erwachsenen Spaß!)

    Berufe im mittelalterlichen Frankfurt
    Der Kupferstecher Jost Amman hat sich bei seinen Darstellungen der mittelalterlichen Berufe sicherlich auch von der Frankfurter Handwerkerschaft inspirieren lassen. Wir spüren mit diesen Holzschnittdarstellungen das Leben der Handwerker im alten Frankfurt auf.

    Von Nachtwächtern und Ketteneseln
    Eine vergnügliche Nachtwanderung mit Laternen und nächtlichen Geschichten.
    Für alle Altersstufen

    Ein Bilderbuch aus Stein
    Der Figurenschmuck am Frankfurter Römer erzählt so manche Geschichte. Gut, wer da ein Fernglas bei sich hat!
    Für alle Altersstufen

    Der kleine Goethe
    Kindheit und Streiche des großen Genies.  Auch große Männer waren einmal richtigeLausbuben! Die Kinder erfahren, woher der große Dichter seine Leidenschaft für die Literatur bezogen hat, wie eine Kaiserkrönung vonstatten ging und welche ausgefallenen Hobbies der Vater den lieben Kleinen anempfahl.
    Für alle Altersstufen


     

    Fränki fliegt durch die Geschichte Frankfurts!
    Kinderbuch zu Geschichte Frankfurts!

    Die Vermittlung der Geschichte Frankfurts an Kinder ist seit langen Jahren eines unserer Hauptanliegen. Wie kann man Geschichte lebendig werden lassen? Wir haben es in unzähligen Führungen mit Kindern geschafft, in dem wir mit ihnen spielen, ihre Neugierde wecken und Identifikationsfiguren schaffen. Unser Adler Fränki, von Frau Mannel nach dem Frankfurter Stadtwappen vor Jahren erdacht und zum Leben erweckt, trifft auf Kinder aus allen Epochen der Stadtentwicklung Frankfurts! Schon in unserer Kinderführung  in diesem Sommer konnten Frankfurter Kinder den Adler in Form einer Stoffpuppe kennenlernen.

    Hier eine Leseprobe:

    9. Kapitel: 1867

    Großbürgertum im Westend und das Jüdische Ghetto

    Die ersten Sonnenstrahlen eines neuen Tages kitzeln Fränki am Gefieder. Er erwacht auf dem Ast eines alten Kastanienbaumes und schüttelt sich ein wenig, dann blinzelt er neugierig in die Umgebung. Was er sieht, gefällt ihm: Er schaut geradewegs auf ein prächtiges Palais in einem parkähnlichen Garten. Vor dem Palais erstreckt sich eine große Terrasse mit üppig blühenden Kübelpflanzen. Von dort führt eine breite Treppe durch ein buntes Blumenbeet zu einer großen Wiese mit einem Wasserbecken, in dem ein Springbrunnen plätschert. Fränki hört nichts als das Zwitschern der Singvögel und das Gurren der Tauben, Kaninchen hoppeln furchtlos über die großen Wiesenflächen. „Dies ist aber ein friedliches Idyll“, denkt sich Fränki, „bin ich noch in Frankfurt, der Stadt mit den unzähligen engen und lauten Gassen?“ Da fällt ihm ein, dass er nach dem letzten Abenteuer ein Stück gen Westen geflogen war, um den Unruhen der Stadt zu entkommen. „Hab ich es mit meinem Schlafplatz aber gut getroffen“, ruft er glücklich aus, „nur wüsste ich nun doch ganz gerne, wo ich hier gelandet bin!“

    Noch während Fränki darüber spekuliert, tut sich etwas auf der Terrasse des Hauses. Ein großer Fensterflügel wird geöffnet, heraus springen drei Mädchen in wunderschönen weißen Spitzenkleidern. In gemäßigtem Schritt folgt eine junge, schlanke Dame, ebenfalls mit einem vornehmen Kleid aus gerüschtem Taft bekleidet. „Mes Desmoiselles, pas si vîtes“, ruft die Dame, die offenbar für die Mädchen verantwortlich ist. Doch die drei kümmern sich nicht um die ängstlichen Rufe ihrer Begleiterin, sondern rennen übermütig und laut lachend die Treppe zur Wiese hinunter. Dort liegen schon Schläger zum Federballspiel bereit. Die Mädchen beginnen ein munteres Spiel, der Federball fliegt hoch durch die Lüfte dicht an Fränkis Ast vorbei. Da verfängt er sich im Blattwerk kaum eine Flügellänge von Fränki entfernt. Die Mädchen beginnen, am Boden unter dem großen Baum nach ihm zu suchen. „Ich glaube, ich muss ihnen helfen, den Ball zu finden. Hier oben werden sie ihn kaum holen können“, denkt sich Fränki, nimmt ihn vorsichtig in seinen scharfen Schnabel und lässt sich vom Ast zu Boden gleiten. Noch bevor er sich wieder verstecken kann, tritt eines der Mädchen suchend aus den Büschen. „Ah“, entfährt ihr ein erschrockener Schrei, aber dann prustet sie lachend los: „Das sieht aber komisch aus, ein Adler mit einem Federball im Schnabel!“.

    Fränki schaut zuerst ein wenig gekränkt drein, findet es dann aber auch komisch. „Ich, Fränki, Adler von Frankfurt, habe dir den Federball aus dem Geäst der Kastanie gerettet“, versuchte er, seine Würde wieder herzustellen. „Sehr erfreut“, erinnert sich das Mädchen an seine gute Erziehung, „Mein Namen ist Minna Karoline von Rothschild, aber alle nennen mich nur Minka. Mein Vater ist der Baron Wilhelm Carl von Rothschild“. „Sehr erfreut“, erwidert jetzt auch Fränki sehr förmlich, denn das hübsche kleine Mädchen ist eine Baroness. Er bemerkt aber schon bald, dass dieses fröhliche Kind sehr natürlich und ganz ohne Standesdünkel ist. „Wohnst du in diesem Schloss?“ fragt er neugierig. „Ja“, antwortet das Mädchen fröhlich, „wir nennen es die Grüneburg. Meine Familie hat es anstelle der alten Burg nach französischem Geschmack erbauen lassen. Es ist so groß, weil wir darin eine Sammlung von alten Möbel und Kunstgegenständen haben. Außerdem haben meine Eltern immer sehr viele Gäste zu Besuch, manchmal sogar Könige und Königinnen aus anderen Ländern. Selbst der deutsche Kaiser war schon bei uns in der Grüneburg!“ „Und ihr Kinder dürft dann immer dabei sein“, fragt Fränki beeindruckt. „Wenn ein offizielles Dîner gegeben wird, dann müssen wir Mädchen auf unseren Zimmern bleiben und dürfen die feinen Gäste in den Ballsälen des Erdgeschosses nur heimlich durch das Treppengeländer betrachten. Manchmal werden wir aber auch schön zu Recht gemacht und den herrschaftlichen Gästen vorgestellt. Das ist immer sehr aufregend!“, Fränki sieht vor seinem geistigen Auge Minka vor einer Dame mit Krone auf dem Kopf knicksen. „Sind wir denn wirklich noch in Frankfurt“, fragt er ungläubig, so viel Pracht hat er in den Häusern der engen Stadt noch nicht gesehen. „Ja“, antwortet Minka, „unser Haus steht im neuen Stadtteil Westend, kurz vor der Grenze zum Hessen-Kasselschen. Das beginnt dort an der Bockenheimer Warte“. Minka deutet mit ihrer Hand in eine Richtung, aber Fränki kann außer Bäumen nichts sehen. „Das Dorf Bockenheim gehört schon nicht mehr zu Frankfurt. Hier im Westend gab es bis vor wenigen Jahren nur Kornfelder, Weingärten und Viehweiden. Die gehörten den reichen Frankfurter Familien, wurden aber von Gärtnern bearbeitet. Auch die alte Grüneburg war einmal ein Bauernhof, genauso wie die Kötenhöfe und die Öden. Auch wir haben heute noch neben diesem schönen englischen Garten einen Teil, der landwirtschaftlich genutzt wird. Er liegt da drüben“, diesmal zeigt sie in die entgegen gesetzte Richtung der Stadt zu. „Weil alle reichen Leute hier wohnen wollen, wird immer mehr Ackerland verkauft und mit Villen bebaut“. „Das stell ich mir gut vor“, pflichtet Fränki bei, „leben wie ein Graf auf dem Lande und in fünf Minuten hat man die Bequemlichkeit einer Stadt erreicht.“ „Wir haben auch noch mehrere Häuser in der Stadt, in denen wir wohnen, wenn es die Situation erfordert. Oder sie werden genutzt, wenn wir Besuch aus dem Ausland bekommen. Du musst wissen, unsere Familie ist weit verzweigt in ganz Europa“, erzählt Minka. „Wie kommt denn das“, will Fränki wissen. „Oh, das ist eine lange Geschichte“, antwortet Minka, „ich will sie dir erzählen und dir den Ursprung meiner Familie zeigen, aber dafür müssen wir heimlich davonlaufen. Ich entwische ganz gerne ab und zu der Obhut unserer guten Mademoiselle Florence. Sie ist unsere Gouvernante, sehr liebenwert, aber doch ein wenig streng. Sie billigt meine kleinen Ausflüge keineswegs, aber mir ist das egal“, und schon hüpft Minka voran über die große Wiese einem Kiesweg entgegen, der ohne Zweifel die Auffahrt zum Haus darstellt.

    Fränki ist sich nicht ganz sicher, ob er das Mädchen nicht zurückhalten sollte, aber zu gerne würde er ihre Geschichte hören. Deshalb nimmt er sich vor, während des Ausfluges gut auf sie aufzupassen. „Wir überqueren am besten den Grüneburgweg und laufen zur Bockenheimer Chaussee hinunter. Die führt gradewegs auf Frankfurt zu. An ihr stehen die prächtigsten Villen der vornehmsten Frankfurter Familien. Und schau mal nach rechts, da legen sie gerade an der Grenze zu Bockenheim den Palmengarten an. Nächstes Jahr soll er eröffnet werden“. „Was ist denn ein Palmengarten“, fragt Fränki verwundert. „Das ist ein öffentlicher Garten mit exotischen Pflanzen. Sie stammen aus der privaten Sammlung des Herzog von Hessen-Nassau. Die Preußen haben sein Herzogtum annektiert und er musste sein Schloss und seinen Garten in Wiesbaden Biebrich verlassen. Jetzt wohnt er hier als Rentner in einem Palais am Main. Damit er seine Pflanzen weiter sehen kann, hat er sie der Stadt Frankfurt verkauft, die damit den Palmengarten bestücken. Aber dort werden auch die ersten Tennisplätze Frankfurts angelegt, so wie man es aus England kennt. Außerdem schütten die Arbeiter gerade einen künstlichen Berg auf, auf dem ein Schweizerhäuschen stehen wird. Zu ihm kann man über eine Kettenbrücke empor klettern. Und dann wird es noch ein Gesellschaftshaus für große Feste geben“, weiß Minka zu berichten.

    Mittlerweile haben sie die Bockenheimer Landstraße erreicht. Sie trägt ihren Namen zu Recht, unzählige Kutschen und Fuhrwerke fahren stadtein- und auswärts über eine staubige und unbefestigte Straßedecke. Welch ein Morast muss hier bei Regen entstehen! Aber heute ist ein sonniger Tag und Regenwolken sind nicht in Sicht. „Dieses Palais hier gehört den …. Da drüben“, Minka zeigt auf die andere Straßenseite, „wohnen die……………………“. Sie scheint im Klatsch über die bessergestellten Familien gut unterrichtet zu sein, denkt Fränki. „Das weiß ich alles von unseren Dienstmädchen. Die treffen sich mit den Mädchen der anderen Häuser und wenn ich dann in der großen Küche im Keller unseres Hauses mein Abendbrot esse, erzählen sie die Geschichten brühwarm unseren Köchinnen. Sie denken, wir Kinder bekommen nichts mit“, plaudert Minka weiter.

    Mittlerweile sind sie fast am Beginn des alten Stadtkerns angekommen. Minka bleibt stehen und zeigt auf eines der prächtigsten Häuser der ganzen Straße. „Das Palais hier gehört auch unserer Familie. Mein Großonkel und Adoptivgroßvater Amschel Mayer von Rothschild hat es errichten lassen. Es war eines der ersten großen Landhäuser an dieser Landstraße. Als er es erbauen ließ, wollten keine Gäste zu ihm kommen, um ihn zu besuchen.“ „Warum denn nicht“, fragt Fränki verwundert. „Du musst wissen, wir sind Juden“, antwortet Minka, „und bis vor noch nicht allzu langer Zeit wollten die Frankfurter nichts mit uns Juden zu tun haben. Sie wollten nur Geschäfte mit uns machen, aber nicht mit uns befreundet sein“, Minkas fröhliches Gesicht verdunkelt sich ein wenig. „Juden hatten über viele Jahrhunderte keine Bürgerrechte in Frankfurt. Erst letztes Jahr hat man sie uns verliehen. Die Frankfurter meinten, es sei unfein, mit Juden zu verkehren“. „Das kann ich gar nicht glaube“, ruft Fränki aus, „und heute kommen Könige und Kaiser zu euch!“ „Ja, das stimmt. Mein Großvater war ein schlauer Mann. Er hat einen Trick verwand, um die Leute zu sich zu holen. Er hat hinter diesem Haus den schönsten Garten angelegt, den es damals in Frankfurt gab. Die exotischsten Bäume und Blumen hat er anpflanzen lassen, die die Frankfurter zuvor noch nicht gesehen hatten. Und dann hat er anstatt Einladungen zu einem Abendessen Eintrittskarten zur Besichtigung seines Gartens verschickt. Die Frankfurter waren neugierig und kamen, um den prächtigen Garten zu sehen. Der Weg führte sie wie zufällig an einem reich gedeckten Buffet mir den köstlichsten Speisen und Weinen vorbei, dem sie nicht widerstehen konnten. Sie aßen und tranken und als sie gingen, wurde ihnen klar, dass sie sich nun revanchieren mussten. Sie luden meinen Großvater ein und freundeten sich mit ihm und unserer Familie an. Doch komm weiter, ich möchte dir noch mehr zeigen“, eilig zieht Minka Fränki durch eine schön angelegte Promenade in die Große Bockenheimer Gasse geradewegs auf die Hauptwache zu. Fränki staunt, wie vornehm die Häuser geworden sind. Entlang der Zeil sind prächtige Gasthöfe entstanden, in die Kutschen aus allen Teilen Deutschland ein- und ausfahren. Herrschaftliche Palais künden vom Reichtum der hiesigen Kaufmannsfamilien. Schon wieder bleibt Minka stehen. „Hier, unser Stadthaus. Mein Vater nutzt es für seine Mittagspause, denn unser Bankhaus ist nicht weit entfernt“, sie wendet sich um und zeigt über den großen Platz an der Konstabler Wache. „Das ist unser Bankhaus. Die Rothschildbank ist eine der wichtigsten Banken der Welt, musst du wissen“, sagt Minka nun doch mit einem Anflug von Stolz. „Es gibt Rothschildbanken in großen Städten Europas. Sie werden jeweils von einem echten Rothschild geleitet. Mein Urgroßvater hat in seinem Testament verboten, dass Männer aus anderen Familien unsere Banken führen. Gott sei Dank hatte er genügend Söhne, um so viele Banken zu gründen. Sein ältester Sohn Amschel Mayer blieb in Frankfurt, der zweite, Nathan, ging nach England, der Dritte, Salomon, nach Wien, der Vierte, Karlmann, nach Neapel und der jüngste, Jakob, nach Paris. Ich habe übrigens zwei Großväter väterlicherseits“, lacht Minka. „Wie geht denn das“, will Fränki erstaunt wissen. „Ganz einfach, „antwortet Minka, „Karlmann, der Neapolitaner, ist der leibliche Vater meines Vaters und dessen Bruder Karl. Amschel Mayer, eigentlich der Frankfurter Onkel der beiden, konnte keine Kinder mit seiner Frau bekommen. Da hat er einfach seine Neffen adoptiert, damit männliche Nachfolger für das Frankfurter Bankhaus zur Verfügung stehen. Soll ich sie dir vorstellen, sie haben jeder ein Büro in unserem Bankhaus“. „Nein danke“, winkt Fränki ab, „die Beiden haben sicherlich viel zu tun!“ „Dann zeig ich dir unser Stammhaus“, Minka hüpft vergnügt am mehrstöckigen Geschäftshaus vorbei, das am Eck zu einer engen Gasse steht. „Dies war einmal der Eingang  zur Judengasse. Früher war hier ein Tor, das mit zwei weiteren an christlichen Sonn- und Feiertagen abgeschlossen wurde. Die Juden durften die Gasse dann nicht verlassen, es war wie eine kleine Stadt in der Stadt. Man schätzt, dass um die 7000 Menschen in knapp 200 einfachen Holzhäusern wohnten. Dabei war die Judengasse früher viel schmaler, hat mir mein Großvater erzählt“. „Welcher“, fragt Fränki. „Mein Adoptivgroßvater. Er und seine Brüder sind alle noch in dieser Gasse geboren. Schau, dies ist die neue Synagoge, die erst vor ein paar Jahren anstelle der alten erbaut wurde. Eine Seite der Judengasse hat man schon abgerissen. Fast alle Häuser sind heute unbewohnt, niemand will mehr hier leben oder für den Erhalt der Häuser Geld ausgeben. Die Juden sind froh, nicht mehr hier wohnen zu müssen und die Christen würden nie in die ehemalige Judengasse ziehen. Deshalb verfallen die Häuser, manche sind schon einstürzt und haben Obdachlose, die sich für eine Nacht einquartiert hatten, unter sich begraben. Da, schau! Das ist unser Stammhaus: Das Haus „Zum grünen Schild“! Wir pflegen es und haben gerade ein Museum daraus gemacht. Bis vor einigen Jahren hat meine Urgroßmutter Gudele noch darin gewohnt. 96 Jahre ist sie alt geworden! Sie ist nicht ausgezogen, obwohl ihre Kinder sie gerne in eines ihrer schönen Palais geholt hätten. Aber sie hat gesagt, wenn sie auszöge, dann würde das Glück unserer Familie verloren gehen. 20 Kinder hat sie in diesem Haus geboren, zehn davon sind erwachsen geworden. Alle haben Familien gegründet, sie hatte unzählige Enkel und Urenkel in ganz Europa. Aber bis zuletzt hat sie sich geweigert, aus unserem Stammhaus auszuziehen“, Minka ist von ihrer eigenen Familiengeschichte sichtlich gerührt. Fränki wundert sich: „Sind denn alle Juden in das Westend gezogen?“ „Aber nein“, antwortet Minka bedauernd, „das können sich die wenigsten leisten. Die meisten wohnen hier im Fischerfeld oder an der Langen Straße. Viele ziehen auch in das neue Viertel Ostend. Sie wollen in der Nähe der Synagoge bleiben.“

    Von Weitem schlägt die Turmuhr des Domes fünf Uhr und sogleich fallen die helleren Glocken der nahen Dominikanerkirche ein. „Oh je“, erschrickt Minka, „jetzt bin ich aber doch schon lange von zuhause fort. Ich glaube, es ist ratsam, mich im Kontor meines Vaters zu zeigen, sonst senden sie Suchtrupps nach mir aus.“ Fränki pflichtet ihr bei und gemeinsam gehen sie den kurzen Weg zum Bankhaus zurück. Minka dreht sich zum Abschied noch einmal winkend um, dann verschwindet sie durch die schwere Pforte des Hauses. Fränki, der sich auf das Dach der Konstabler Wache geschwungen hat, sieht, wie nach wenigen Minuten der Einspänner des Barons vor der großen Türe vorfährt, diese sich öffnet und das Mädchen, begleitet von einem Bankangestellten, die Kutsche besteigt. Das leiser werdende Prasseln der Pferdehufe auf dem Pflaster der Zeil verkündet den endgültigen Abschied von Minka.

     

    Freuen Sie sich also mit uns auf das Erscheinen in den nächsten Tagen!